Dokumentarfilm

Geschichte der Dr. Stephan à Porta-Stiftung

Dr. Stephan à Porta

Trotz seines Erfolgs war sich Stephan à Porta (1868-1947) nie zu gut, auch selber Hand anzulegen. Er galt als zielstrebig, unermüdlich und bescheiden und hat nie grosse Worte über seine unternehmerischen Tätigkeiten verloren. Aber wenn es um soziale Fragen ging, war er ebenso umsichtig und engagiert wie ehrgeizig und selbstbewusst. Er war nicht nur ein vorbildlicher Arbeitgeber, sondern auch ein Kinderfreund – obwohl oder vielleicht gerade weil er selbst kinderlos blieb. So unbeirrt er sich den Herausforderungen des Alltags stellte, so konsequent nahm er auch die Chancen wahr, die sich ihm boten. So erschuf er sich ein kleines Immobilien-Imperium und verlor dabei die sozialen Aspekte nie aus den Augen. Die 1946 von ihm gegründete Dr. Stephan à Porta-Stiftung ist die Krönung seines Lebenswerkes als erfolgreicher Unternehmer im Dienste der Wohlfahrt.

Dr. Stephan à Porta im Gespräch mit einem Mitarbeiter (1936)

Dr. Stephan à Porta im Gespräch mit einem Mitarbeiter (1936)

Die Mitarbeiter von Dr. Stephan à Porta (1952)

Die Mitarbeiter von Dr. Stephan à Porta (1952)

Das Erfolgsrezept

Das Konzept von Dr. Stephan à Porta war einfach: Er baute einfache Wohnungen, die vorsichtig finanziert waren und stets günstig vermietet wurden. Aus Rationalisierungsgründen blieb er bei den einmal gewählten Grundrissen und Fassaden. Die Entstehungs­kosten seiner Häuser waren tief, da er immer mehr Arbeiten mit dem eigenen Regiebetrieb ausführte. Dieser beschäftigte Maurer, Handlanger, Zimmerleute, Gipser, Spengler, Maler und Plattenleger. Weiter hatte er ein besonderes Abkommen mit einem Sanitär- und einem Elektroinstallateur. Der Regiebetrieb zählte zeitweise gegen 200 Personen. Seine Frau besorgte die schriftlichen Arbeiten, weitere Verwandte nahmen sich der Vermietung der Wohnungen an.

Schwieriges Erbe

So grossartig das Vermächtnis war, das die Stiftung am 1. Januar 1946 übernehmen durfte, so schwierig war die Aufgabe, die sich ihr stellte. Die Erträge und damit der Zweck der Stiftung konnten nur gesichert werden, wenn sich die Häuser in einem guten Zustand befanden. Dem war anfänglich nicht so. Der Stifter hatte kostengünstig gebaut und nicht selten an der Qualität gespart. Ausserdem steckte er die Erträge der Häuser lieber in den Bau von neuen Häusern und vernachlässigte dadurch die Erneuerung seiner bestehenden Liegenschaften. In vielen alten Häusern bestand somit ein grosser Investitionsbedarf. Seit der Gründung investierte die Stiftung 200 Millionen Franken in die Erneuerung und den Unterhalt ihrer Liegenschaften. In der Rückschau haben der Stiftungsrat und die Verwaltung die Aufgabe der Substanz­erhaltung erfolgreich gemeistert. Die Häuser sind in einem guten Zustand, der Versicherungswert der Liegenschaften beläuft sich heute auf 370 Millionen Franken (Stand Ende 2013) und die Stiftung steht auf einer soliden finanziellen Basis. Somit wurden die vom Stiftungsgründer gesetzten Ziele voll und ganz erreicht. Eine grosse Zahl von Menschen kommt in den Genuss von preisgünstigem Wohnraum. Und die Stiftung unterstützt durch die Ausschüttung des jährlichen Reingewinns wohltätige und gemeinnützige Organisationen.

Viele Wohnungen verfügten anfänglich über Gemeinschaftsbäder

Viele Wohnungen
verfügten anfänglich über
Gemeinschaftsbäder

Der Stolz der Mitarbeiter: ein Saurer-Lastwagen

Der Stolz der Mitarbeiter: ein Saurer-Lastwagen

Dr. Stephan à Porta als betagter Mann

Dr. Stephan à Porta als
betagter Mann

Eng mit Zürich verbunden

Mit dem «Stephan à Porta-Weg», dem Verbindungsweg zwischen Förrlibuckstrasse und Hardturmstrasse, hat der Stadtrat von Zürich einen Unternehmer geehrt, welcher mit seinem beispielhaften Engagement bleibende Werte geschaffen hat.

Dass der Wirkungskreis der Dr. Stephan à Porta-Stiftung ausdrücklich auf die Stadt Zürich und den Kanton Graubünden beschränkt ist, ist kein Zufall. Stephan à Porta wollte damit seine enge Verbundenheit zu seiner Wahlheimat Zürich ausdrücken, weil er dort ein interessantes und fruchtbares Tätigkeitsfeld gefunden hatte. Weiter wollte er eine Brücke schlagen zu Ftan im Bünderland, der Heimat seiner Eltern. Obwohl er selber nie dort gelebt hat, war er der Region immer zugetan.

Dr. Stephan à Porta beim Besuch einer Baustelle

Dr. Stephan à Porta beim Besuch
einer Baustelle

24. April 1868 bis 8. Januar 1947 – ein Leben
voller Dynamik

Geboren wurde Stephan à Porta am 24. April 1868 als ältester Sohn des Thomas à Porta und dessen Gattin Katharina geb. Tönjachen in Danzig. Seine Eltern stammten aus Ftan/GR. Sie wanderten schon in jungen Jahren nach Deutschland aus und fanden in Danzig ein gutes Auskommen als Zuckerbäcker und Kaffeehausbesitzer. 1870 erhielt Stephan mit Heinrich einen Bruder, mit dem er als junger Mann eng zusammenarbeitete, bis die beiden um die Jahrhundertwende mit einem Projekt fast Konkurs gingen. Ein weiterer, noch jüngerer Bruder namens Jon starb schon im Alter von zwei Jahren. Stephan wurde auf das städtische Gymnasium geschickt und begann nach dem Abitur mit dem Studium der Rechtswissenschaften. Nach ersten Studienjahren in Deutschland kam er 1888 nach Zürich, wo er im März 1890 – mit erst 22 Jahren – doktorierte. Kurz darauf eröffnete er an der Bahnhofstrasse eine Anwaltskanzlei. Seine Leidenschaft galt indessen nicht der Juristerei, sondern dem Bauen.

1892 kaufte er mit seinem Bruder Heinrich und dem Erbe seines früh verstorbenen Vaters einen ersten Bauplatz. Sie erstellten drei Wohnhäuser und verkauften diese gleich nach der Fertigstellung mit gutem Gewinn. Mit dem Geld erstanden sie einen weiteren Bauplatz und legten damit das Fundament zu einer erfolgreichen Tätigkeit als Bauunternehmer. Um die Jahrhundertwende gerieten die Brüder unvermittelt in Schwierigkeiten. Zu einem relativ hohen Preis kauften sie Land im Seefeld und trafen dort auf schwierigen Baugrund. Der Rohbau wurde wesentlich teurer als budgetiert. Nur mit der Hilfe von Banken und Verwandten konnten die beiden den Konkurs abwenden. Heinrich schied darauf aus dem Unternehmen aus und Stephan verzichtete einige Jahre auf jede Bautätigkeit. Bis er 1908 mit noch grösserem Elan ans Werk ging und im Kreis 8 erneut Land kaufte. Von da an baute er in Zürich über hundert weitere Mehrfamilienhäuser.

Stephan à Porta war zweimal verheiratet, aber beide Ehen blieben kinderlos. Um einen Nachfolger für sein Geschäft zu haben, nahm er im April 1927 Lorenz à Porta, den Sohn seines Vetters Jon à Porta, in die Firma auf. Per 1. Januar 1946 trat Stephan à Porta in den Ruhestand und übertrug seine 143 Liegenschaften im Wert von damals rund 6.5 Millionen Franken an die von ihm gegründete Dr. Stephan à Porta-Stiftung. Damit sicherte er sein Lebenswerk und dessen sozialen Charakter. Ein Jahr später, am 8. Januar 1947 entschlief er ruhig und friedlich.

Dr. Stephan à Porta